Fritzow

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Fritzow (Wrzosowo)

Im Osten des Kreises liegt das im 13. Jahrhundert als Angerdorf angelegte Fritzow. 1240 war „Vressow“ (= Heide), wie es damals hieß, im Besitz des Borco de Vresow, castellanus sive burchgravius Colbergensis, aus der Familie v. Borcke

1282 wurde ein Teil von Fritzow an das Kloster in Altstadt verkauft, ein Besitz, der noch 1429 bestätigt wurde. 1345 belehnte Bischof Johann die Brüder Henning, Hermann und Friedrich von Damitz mit Fritzow. Über 400 Jahre blieb Fritzow im Besitz der Familie. Es folgten 1772 die von Blankensee und 1804 die von Heydebreck. 1798 wurde das Lehen in Eigentum umgewandelt.

1808 kaufte der dänische Konsul und Reeder Friedrich Schroeder aus Kolberg das Rittergut Fritzow mit Genehmigung des preußischen Königs für 28.000 Taler. Fritzow soll damit das erste Rittergut in Preußen gewesen sein, das in bürgerlichen Besitz übergegangen ist. Schroeder, ein Freund Gneisenaus, hatte gute Beziehungen zum preußischen Königshaus. Kronprinz Friedrich Wilhelm, damals Militärgouverneur und Statthalter der Provinz Pommern übernachtete bei seinen Kolberger Besuchen stets im Schroederschen Hause. Konsul Schroeder, der 1807 während der Kolberger Belagerung fast sein ganzes Vermögen für die Versorgung der Stadt zur Verfügung gestellt hatte, profitierte später dadurch, daß Kolberg auf Grund alter Privilegien Zollfreiheit im Sund besaß und manche Stettiner Reederei in dieser Zeit ihren Handel über Kolberg abwickelte. 1813 erbte sein noch minderjähriger Sohn Adalbert Schroeder Fritzow, den Nießbrauch über das Gut hatte die Witwe Henriette, geb. Kalsow, die es ihm 1836 bei seiner Eheschließung mit Ida von Falkenhayn (Cousine des späteren Kriegsministers) übergab. 1839 brannten Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude nach einer Explosion der von der Landwehr dort aufbewahrten Übungsmunition vollkommen nieder. Die Gebäude wurden an anderer Stelle wieder aufgebaut, das Herrenhaus an einem See in einem schönen Park. Es war ein zweistöckiges schlossartiges Gebäude mit je zehn frontalen Fenstern in jeder Etage. Das mächtige Walmdach schmückte ein elegant aufgesetzter Giebel, darunter Portal und Freitreppe, davor ein großes, mit Bäumen bestandenes Rondell.

Nach dem Tod des bei einem Ritt zwischen Rützow und Fritzow 1841 tödlich verunglückten Gutsherrn erbte dessen einziger noch minderjähriger Sohn Richard das Gut, das er anläßlich seiner Heirat mit einer Plüddemann-Verwandten 1858 mit sollen Rechten eines Erb- und Gerichtsherrn übernahm. Nach seinem Tod 1888 konnte seine zweite Frau, eine geborene Groenefeldt, das Rittergut nicht halten und verkaufte es 1890 an den Stettiner Kaufmann August Ahrens. Von diesem übernahm es 1909 der Rittmeister v. Mach, der es noch im selben Jahr an den Landschaftsrat Heinrich v. Enckevort verkaufte. Dieser übertrug es 1921 seinem Sohn Ulrich, der nach der Tuberkulosesanierung der Kühe mit der Erzeugung von roher „Vollzugsmilch“ begann; damals eine Sensation in der Zeit, als die Tuberkulose viele, vor allem junge Menschen dahinraffte. Acht eigene Fahrzeuge brachten diese naturbelassene Mich „wie sie von der Kuh kam“ nach Kolberg und in die umliegenden Orte, wo sie von den Kurgästen gern getrunken wurde , aber auch von den Schülern, die bereits 1930 ein Milchfrühstück aus Fritzow erhielten.
1939 hatte das Gut einen Nutztierbestand von 173 Rindern, 341 Schafen und 378 Schweinen, außerdem 16 Pferde. Die Zuchtherden wurden von Schweinemeister Franz Raasch und Schäfer Emil Hauke betreut. Melkermeister war Paul Dettmann. Das 513 ha große Gut hatte lehmig-sandigen Boden, besser als der Kreisdurchschnitt, davon 368 ha Acker, zu deren Bearbeitung mehrere Traktoren und ein Dampfpflug vorhanden waren. Der 80 ha große Wald bestand überwiegend aus Laubbäumen.
Das Gutshaus und die Wirtschaftsgebäude brannten 1945 völlig aus. Der Park ist verwildert. Auf dem Gut wurden Stallungen und ein Caritas-Büro errichtet. Die Polen nennen Fritzow heute Wrzosowo.

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