Schule Zernin

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Zernin

Schulgebäude (aktuelle Aufnahme)

Die zweistufige Schule stand direkt neben der Kirche in der Dorfmitte und es waren 2 Lehrkräfte angestellt, die die Unterstufe 1.-4. Klasse und die Oberstufe 5.-8. Klasse unterrichteten. Das Schulgebäude wurde vor 1919 erbaut.
Laut der Kreis-Schulübersicht vom März 1928 wohnte der amtierende 1. Lehrer in einer im Jahr 1878 erbauten Dienstwohnung mit 4 heizbaren Zimmern. Dem 2. Lehrer standen 3 heizbare Zimmer zur Verfügung.

Volkszählung von 1871
Einwohner   davon
gesamt
konnten
lesen&schreiben
machten
keine Angaben
waren
Analphabeten
waren
Kinder bis 10 J.
758 464 (61,21 %) 58 (7,65 %) 43 (5,67 %) 193 (25,46 %)

Klassenstärke
um 1860 140 Schulkinder  
1928    100 Schulkinder   46 Knaben   54 Mädchen
1939    101 Schulkinder   47 Knaben   54 Mädchen


Lehrer

  • ca. 1824 – zumind. 1870/71
    EWALD Christian+ vor 23.01.1879 Zernin
    oo PETER Wilhelmine Friederike
  • 1884 – 1914
    LEMKE Christian FriedrichHauptlehrer, * 14.12.1852 Linde, Kr. Neustettin, + 26.03.1926 Kolberg
    oo 18.01.1879 Soltnitz, Kr. Neustettin, SCHULZ Ida Agnes
  • mind. 1922
    KROPP Ernst Robert August* 13.01.1892 Ort?, + 05.12.1971 Mülheim/Ruhr
    oo 08.09.1922 Degow, RADDAG Katharina Anna
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung 1912 Dramburg, 2. Lehrerprüfung 1922 Zernin
  • zumind. 1927/28 – max. 11.1930
    SCHURIAN Ernst Gustav 1. Lehrer, * 28.10.1881 Ort?
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung 1902 Friedeberg, 2. Lehrerprüfung 1904 Friedeberg, Ruhestand: 01.01.1937
  • 1919 – max. Ende 1933
    BÖTTCHER Otto Erich Albert1928 2. Lehrer, * 21.11.1897 Nörenberg, Kr. Saatzig, + April 1965 Husum
    oo 08.11.1921 Degow, MAROTZKE Gertrud Auguste Emilie
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung 1920 Pölitz, 2. Lehrerprüfung 1921 Groß Jestin, 16.02.1924 Festanstellung in Zernin
  • 01.04.1931 – ?
    SCHWARZ Gerhard Gotthold Gebhard* 24.10.1883 Ritzow, Kr. Tilsit, + 16.02.1956 Marburg
    II. oo 1925 LEMKE Elisabeth Berta Auguste
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung 1903 Köslin, 2. Lehrerprüfung 1907 Köslin
  • 01.01.1934 – 08.1938
    RENN Johannes Herbert Helmut* 27.01.1898 Ort?, + 03.06.1945 Ort?
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung 1918 Bütow, 2. Lehrerprüfung 1922 Lauenburg
  • 01.10.1938 – zumind. 04.1943
    PROCHNOW Fritz* 23.05.1913 Ort?
    Ausbildung: 1. Lehrerprüfung k.A. 2. Lehrerprüfung 1940 Zernin
  • 16.02.1944 – ?
    RADDAG Dorothea* 04.02.1924 Ort?

Dr. Otto Haeger berichtet in der „Geschichte des Dorfes Zernin“ folgendes:
„… Es bestand Schulpflicht in Hinterpommern seit einem Edikt des Königs Friedrich Wilhelm I vom 21. Januar 1717.
Die Durchführung des Unterrichtes:
Mit 6 Jahren kamen wir in die Schule. Die Klassen 1 und 2 hatten gemeinsamen Unterricht, etwa von 10 – 12 Uhr, die Klassen 3 und 4, auch zusammengelegt, Unterricht von 8 – 12 Uhr. Da die Klassen 1-4 während des Unterrichtes nur einen Raum zur Verfügung hatten, kann man sich vorstellen, daß der Einzelunterricht überhaupt nicht zum Tragen kommen konnte. In den Klassen 5-8 war der Unterricht auch unbefriedigend, weil auch alle hier gemeinsam, kaum partiell, unterrichtet werden konnten.
Ich hatte in den ersten zwei Schuljahren Lehrer Böttcher, der dann versetzt wurde. Für ihn kam Lehrer Renn. Dieser war außerordentlich tüchtig. Er hat mit dafür gesorgt, daß Alfred und ich auf die Mittelschule kamen. Ein Jahr später wechselte ich auf’s Gymnasium. An Schulutensilien hatten wir in den ersten zwei Jahren eine Schiefertafel und einen Griffel. Schularbeiten gab es auf, sie wurden aber schnell erledigt.
Elterliche Hilfe gab es nicht, dieses war aufdem Dorf wohl überall so. Es gab damals noch keine „Ganzwortmethode“, wir fingen noch mit dem Schreiben einzelner Buchstaben an. (iii-ooo-eee). Nachdem der Lehrer die Hausaufgaben kontrolliert hatte, konnten wir mit dem Schwamm die Tafel ablöschen und für neue Schreib- und Rechenaufgaben benutzen. Erst ab der 3. Klasse gab es Schulhefte. Wir lernten noch die Sütterlinschrift, genannt „Deutsche Schreibschrift“.
Wer seine Hausaufgaben nicht, nicht ordentlich oder falsch gemacht hatte, wurde je nach schwere des Falles mit dem Rohrstock bestraft, mindestens aber gab es Backpfeifen. Mir ist nicht bekannt, daß sich die Eltern der Kinder beim Lehrer wegen der Bestrafung
beschwert hätten. Es hieß: ‚Du hast es wohl verdient‘.“


Gleichfalls in der „Geschichte des Dorfes Zernin“ berichtet Mathilde Krüger über ihre im Jahr 1864 begonnene Schulzeit aus ihren Erinnerungen folgendes:
„Mit 6 Jahren mußte ich zur Schule gehen. Das Schulhaus hatte mehrere große Stuben, in die kleine kam ich. Die war sehr voll. Dann kam ich in die andere Klasse, es waren mehrere Abteilungen. Immer mußte viel auswendig gelernt werden, Gesangbuchverse und andere Lieder.
Die Schulzeit war so eingerichtet, im Sommer von 6 bis 8 Uhr, im Winter von 8 – 12 und 1 bis 4 Uhr. Im Sommer war deshalb um 8 Uhr Schluß, damit die großen Kinder noch im Haushalt helfen konnten. Nach dem Frühstück gingen sie meistens auf Feld, um dort zu arbeiten. Im Winter wurde durch mehr Unterrichtsstunden das Versäumte nachgeholt.
Jungen und Mädchen waren in einer Klasse im großen Zimmer, getrennt durch einen Gang. Unser Lehrer Ewald war schon 40 Jahre im Dienst.
Er trug eine Perücke. Wenn er sehr aufgeregt war und er ging mit dem Stock zwischen den Bänken, sah es immer so aus, als bewegte sich die Perücke.
1870/71 war ja Krieg. Unser Lehrer hielt sich auch die Zeitung, jedoch nicht alle Einwohner des Dorfes. Die bedeutenden Stellen hatte der Lehrer mit Rotstift gezeichnet. Fast immer mußte ich vorlesen, die Kinder hörten schön zu, damit sie Zuhause etwas davon berichten konnte.
Die Jungen, die sehr ungezogen waren, mußten ihre Hände mit der Innenseite hinhalten oder auf die Bank legen, dann haute er mit dem Rohrstock zu. Wenn es traf, war es sehr hart. Aber auch wir Mädchen wurden mit dem Rohrstock bestraft. Wie sollte er es aber machen, ein Lehrer bei so vielen Kindern. Es war zwar ein zweiter Lehrer da, aber es waren dort auch bei ihm so viele Kinder.“


Unsere Dorfschule
„Die Zerniner Schule befand sich in der Dorfmitte direkt neben der Kirche. Sie war vor 1919 errichtet worden und war zweistufig. In der Unterstufe 1.-4., in der Oberstufe 5.- 8. Jahrgang. Es unterrichteten 2 Lehrer, die beide Dienstwohnungen an den Enden des Schulgebäudes hatten. 1939 besuchten 101 Kinder die Schule, davon 47 Knaben und 54 Mädchen. Es bestand Schulpflicht in Hinterpommern seit einem Edikt des Königs Friedrich Wilhelm I vom 21. Januar 1717.

Die Durchführung des Unterrichtes
Mit 6 Jahren kamen wir in die Schule. Die Klassen 1 und 2 hatten gemeinsamen Unterricht, etwa von 10 – 12 Uhr, die Klassen 3 und 4, auch zusammengelegt, Unterricht von 8 – 12 Uhr. Da die Klassen 1-4 während des Unterrichtes nur einen Raum zur Verfügung hatten, kann man sich vorstellen, daß der Einzelunterricht überhaupt nicht zum Tragen kommen konnte. In den Klassen 5-8 war der Unterricht auch unbefriedigend, weil auch alle hier gemeinsam, kaum partiell, unterrichtet werden konnten.
Ich hatte in den ersten zwei Schuljahren Lehrer Böttcher, der dann versetzt wurde. Für ihn kam Lehrer Renn. Dieser war außerordentlich tüchtig. Er hat mit dafür gesorgt, daß Alfred und ich auf die Mittelschule kamen. Ein Jahr später wechselte ich auf’s Gymnasium.
An Schulutensilien hatten wir in den ersten zwei Jahren eine Schiefertafel und einen Griffel. Schularbeiten gab es auf, sie wurden aber schnell erledigt. Elterliche Hilfe gab es nicht, dieses war auf dem Dorf wohl überall so. Es gab damals noch keine „Ganzwortmethode“, wir fingen noch mit dem Schreiben einzelner Buchstaben an. (iii-ooo-eee). Nachdem der Lehrer die Hausaufgaben kontrolliert hatte, konnten wir mit dem Schwamm die Tafel ablöschen und für neue Schreib- und Rechenaufgaben benutzen. Erst ab der 3. Klasse gab es Schulhefte.
Wir lernten noch die Sütterlinschrift, genannt „Deutsche Schreibschrift“. Wer seine Hausaufgaben nicht, nicht ordentlich oder falsch gemacht hatte, wurde je nach schwere des Falles mit dem Rohrstock bestraft, mindestens aber gab es Backpfeifen. Mir ist nicht bekannt, daß sich die Eltern der Kinder beim Lehrer wegen der Bestrafung beschwert hätten. Es hieß: „Du hast es wohl verdient“. Über ihre Schulzeit ab 1864 berichtet Mathilde KRÜGER in ihren ERINNERUNGEN u.a. folgendes: „Mit 6 Jahren mußte ich zur Schule gehen. Das Schulhaus hatte mehrere große Stuben, in die kleine kam ich. Die war sehr voll. Dann kam ich in die andere Klasse, es waren mehrere Abteilungen. Immer mußte viel auswendig gelernt werden, Gesangbuchverse und andere Lieder. Die Schulzeit war so eingerichtet, im Sommer von 6 bis 8 Uhr, im Winter von 8 – 12 und 1 bis 4 Uhr. Im Sommer war deshalb um 8 Uhr Schluß, damit die großen Kinder noch im Haushalt helfen konnten. Nach dem Frühstück gingen sie meistens auf Feld, um dort zu arbeiten. Im Winter wurde durch mehr Unterrichtsstunden das Versäumte nachgeholt.
Jungen und Mädchen waren in einer Klasse im großen Zimmer, getrennt durch einen Gang. Unser Lehrer Ewald war schon 40 Jahre im Dienst. Er trug eine Perücke. Wenn er sehr aufgeregt war und er ging mit dem Stock zwischen den Bänken, sah es immer so aus, als bewegte sich die Perücke.
1870/71 war ja Krieg. Unser Lehrer hielt sich auch die Zeitung, jedoch nicht alle Einwohner des Dorfes. Die bedeutenden Stellen hatte der Lehrer mit Rotstift gezeichnet. Fast immer mußte ich vorlesen, die Kinder hörten schön zu, damit sie Zuhause etwas davon berichten konnte.
Die Jungen, die sehr ungezogen waren, mußten ihre Hände mit der Innenseite hinhalten oder auf die Bank legen, dann haute er mit dem Rohrstock zu. Wenn es traf, war es sehr hart. Aber auch wir Mädchen wurden mit dem Rohrstock bestraft. Wie sollte er es aber machen, ein Lehrer bei so vielen Kindern. Es war zwar ein zweiter Lehrer da, aber es waren dort auch bei ihm so viele Kinder.“



Quelle: Kolberger Zeitung, Ausgabe 10/1960



Quelle: Kolberger Zeitung, Ausgabe 12/1958


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