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3teradvent

Sonderseite zum 4. Advent

Wir wünschen allen Kolbergern aus Stadt und Land,
unseren Freunden und Gönnern sowie fleißigen Unterstützern
eine geruhsame Vorweihnachtszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest
und freuen uns auf ein mögliches (Wieder-)Sehen in Kolberg.


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Glocken der Heimat

Artur Pusewey (1911-1981), Mitarbeiter der Kreisverwaltung Stormarn, schreibt in seinem Artikel „Glocken der Heimat“:
„Die Glocken unserer Kirchen und Dome sind mehr als nur kirchliches Gerat, mehr als nur Gegenstände der Kunst und der Geschichte. Sie sind für jeden ein Stück eigenen Lebens, sie beinhalten den Begriff „Heimat“. Wer hat sie schon einmal gesehen, die Glocken, deren Geläut uns zum Gottesdienst ruft, deren Geläut uns von der Wiege bis zum Grabe begleitet? Ihre Stimmen sind jedem vertraut.
Nachdem schon im ersten Weltkrieg (I914-1918) Kirchenglocken für die Herstellung kriegswichtigen Geräts ihrer friedenkündenden Aufgabe entzogen wurden, wurde auch im letzten Krieg die Beschlagnahme von Glocken am 15. März 1940 verfugt. Besondere Kommissionen wurden zur Durchführung der nicht gerade populären Glockenabnahmeaktion eingesetzt. Und wieder hieß es für die Gläubigen beider Konfessionen Abschied nehmen von dem vertrauten Klang, den sie täglich vernommen hatten. Endziele der abgenommenen Glocken waren die Glockenlager. Wohl eins der bekanntesten befand sich im Hamburger Hafengebiet auf der Veddel. Von hier aus gelangten sie dann zu den 5chmelzöfen. Nach statistischen Unterlagen des Deutschen Glockenarchivs beträgt der Gesamtverlust deutscher Kirchenglocken 90 000 Stück.
Man war bemüht, die abgelieferten Glocken mit ihren Formen, Dekoren, Gießernamen und all den anderen Merkmalen zu inventarisieren. Viele Glocken aus Ostdeutschland fanden, soweit sie nicht eingeschmolzen worden waren, nach dem Krieg einen neuen Platz in Kirchtürmen der Bundesrepublik. So ist es zu erklären, daß heute noch Glocken der ostdeutschen Provinzen hier mit ihrem Klang die Gläubigen zum Gebet rufen…..
….Leider sind es nur wenige Kirchenglocken des Kreises Kolberg-Körlin, die ich ermitteln konnte und deren Klang im Archiv des Patenkreises aufbewahrt wird. Wahrscheinlich ist doch der überwiegende Teil der abgelieferten Glocken, besonders die größeren, eingeschmolzen worden. Die kleinen Nebenglocken blieben ja in den Kirchtürmen und lassen auch heute im Kreis Kolberg-Körlin, wenn sie nicht den Kriegswirren zum Opfer gefallen sind, ihre Stimme ertönen.
Für die Angehörigen der genannten Gemeinden soll es aber ein Trost sein, daß sie auch heute noch die Stimme ihrer Kirchenglocken vernehmen können und Erinnerungen an die Heimat wachrufen.“


Kirche in Degow

Degow ist bereits vor 1281 ein Kirchdorf gewesen. Zuletzt wurde 1877 ein älterer Kirchenbau abgerissen und 1879 die neue, im Stil einer Basilika errichtete Backsteinkirche eingeweiht. Die beiden Kirchenglocken wurden in diese neue Kirche übernommen.
Die kleine wurde 1572 (Inschrift: Jochen Bandekow 1572) und die große 1618 in Kolberg bei Friedrich Klaessen gegossen. Die 300 kg schwere große Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg zur Einschmelzung als Rohstoff abgegeben, wurde aber erfreulicherweise 1955 in Hamburg funktionsfähig wieder aufgefunden.
Diese Glocke fand durch den früheren Pfarrer in Degow, den gebürtigen Danziger, Dr. Heinz Czaia, ihren Weg in seine neue Heimatgemeinde nach Griesheim bei Darmstadt in Hessen. Hier ruft sie nun gemeinsam mit weiteren Glocken bis heute als „Patenglocke“ in der Luthergemeinde Griesheim zum Gottesdienst.


Neben der Patenglocke auch Bilder der Lutherkirche in Griesheim, einer Tafel an der Lutherkirche sowie vom historischen Uhrwerk im Glockenturm.


Kirche in Rützow

Laut eines Berichts von Pastor Fritz Enss (1889-1980) stammt die aus Feld- und Backsteinen gebaute gotische Kirche in Rützow bereits aus der Zeit um 1250. Ein Anbau erfolgte im 19. Jahrhundert. Im Glockenstuhl des Turmes hingen (1889) zwei Glocken, datiert auf 1379 und 1592. Beide Glocken wurden während des zweiten Weltkriegs zur Einschmelzung abgegeben. Lediglich die im Jahr 1592 gegossene Glocke konnte wieder aufgefunden werden und wurde der Gemeinde Gelbingen im Kreis Schwäbisch-Hall anvertraut.
Artur Pusewey teilt zu dieser Glocke mit, dass sie den Ton cis-4 und einen von Durchmesser 69 cm bei einem Gewicht von 171 kg hat.


Kirche in Nessin

Nessin ist ebenfalls bereits im Mittelalter ein Kirchdorf gewesen. Das jetzige Kirchengebäude wurde vermutlich um 1600 im Auftrag des damaligen Gutsbesitzers, des Obristen Christoph v. Manteuffel, erbaut bzw. erneuert. Entsprechend der Beschlagnahmeverfügung vom 15. März 1940 wurde die Glocke der Nessiner Kirche ebenfalls beschlagnahmt.
Glücklicherweise entging sie der Einschmelzung und auch sie hat nach dem Krieg eine neue Heimat gefunden. Die Glocke von Nessin läutet nun in der Klosterkirche Lorch bei Schwäbisch-Gmünd. Artur Pusewey teilt in seinem Bericht über die „Glocken der Heimat“ mit, dass diese bereits im 15. Jahrhundert gegossene Glocke den Ton „g“ habe, der untere Durchmesser 60 cm betrage und das Gewicht bei 158 kg liegt.


Kirche in Rarfin, Kreis Belgard

(Die Fotos der Kirche wurden uns freundlicherweise von Dieter Schimmelpfennig zur Verfügung gestellt, s.a. Internetseite Kreis Belgard-Schivelbein )

Die Kirche in Rarfin wurde als massiver Ziegelbau mit einem halb vorgesetzten Turm 1735 errichtet. Auch die beiden Glocken des Rarfiner Gotteshauses wurden im zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgegeben, darunter auch die im Jahr 1677 in Kolberg gegossene, die erst 1922 aus der Belgarder Marienkirche nach Rarfin gebracht wurde. Glücklicherweise blieb diese Glocke erhalten und gelangte 1953 als Leihgabe an die evangelische Kirchengemeinde Leichlingen im Rheinland, wo sie nunmehr ihren Dienst als Friedhofsglocke verrichtet.
Im September 1953 war sie der Mittelpunkt des Rheinland Treffens der Kolberger unter dem Motto „Das Treffen unter der Kolberger Glocke“.
[Anm: Im Schlusswort auf unserer Seite nimmt Hans-Jürgen Backe nochmals Bezug auf die Rarfiner Glocke.]


Kirche in Gervin

Die Gerviner Kirche ist ein Fachwerkbau aus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Inschrift an einem Verbundstück des Ostgiebels „Joachim Heckel – Haet mich gebauwet – Hans Meider – Anno 1644“ datiert die Errichtung der Kirche in die Zeit des 30jährigen Krieges, eine andere Mitteilung hingegen besagt, dass der Bau bereits 1624 im Auftrag von Wilcke v. Manteuffel sen. erfolgte.
Eine der beiden Kirchenglocken trug laut einem Bericht aus dem Jahre 1889 zu den Bau-und Kunstdenkmälern im Kreis Köslin eine Inschrift, die den Neuguss auf das Jahr 1693 in Kolberg datierte.
Eine weitere, eine größere, alte Glocke wurde auf Betreiben des damaligen Pfarrers bereits vor dem ersten Weltkrieg von einer thüringischen Gemeinde angekauft, die während des zweiten Weltkrieges zum Einschmelzen abgegeben wurde. 1951 wurde die aus dem 15. Jahrhundert stammende, immerhin 668 kg schwere und 104 cm weite (Durchmesser) Glocke beschädigt auf dem Hamburger Glockenfriedhof durch Nachfrage seitens des früheren Kolberger Superintenden Gottfried Handtmann (1891-1985) aufgefunden. Die Glocken-Patenschaft übernahm die Flensburger Marienkirche, und nach entsprechender Reparatur rief die Gerviner Glocke bis zum 13. Mai 1992 in dieser Kirche zum Gottesdienst. Inzwischen wurde sie dem Städtischen Museum anvertraut.
Aber lassen wir an dieser Stelle die Herren Handtmann und Backe nun ausführlich über die damaligen Geschehnisse berichten:



(Quellen:
div. Ausgaben der Kolberger Zeitung,
Manfred Vollack „Das Kolberger Land“,
Artur Pusewey in Richard Staberock „Der Kreis Kolberg-Körlin“,
Martin Landmesser „Die Dorfkirchen im Landkreis Kolberg-Körlin“,
Wikipedia)


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