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Bullenwinkel (Mirocice) heute

Zitat

Autor des Beitrags: Maciej
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Liebe Forumleser.

Auf der Suche nach dem Buch "Bullenwinkel - ein Dorf, das es nicht mehr gibt." bin ich bei Euch gelandet.

Vor 2 Jahren bin ich mit meiner Frau nach Kolberg umgezogen, um ein "neues Leben" zu starten. Die Geschichte Kolbergs hat mich immer fasziniert. Angefangen von dem Koalitionskrieg Anfang des 19 Jh. bis hin zur der Nachkriegszeit (2. Weltkrieg) - alles wurde verschlungen.

Aber erst auf alten Messtischblätter der kolberger Umgebung bin ich auf Bullenwinkel gestoßen.

An sich eigentlich nichts berauschendes, wenn ich nicht persönlich Bullenwinkel einen Besuch abgestattet hätte.

Anfang März 2017 bin ich spontan mit dem Auto hin, um mir das Dorf anzusehen. Am Ort angekommen musste ich feststellen, dass sämtliche Zufahrtsstrassen blockiert sind und ich weiter zu Fuss muss. Das Bahnwärterhaus galt als Orientierungspunkt. Nun musste ich bloß über die Gleise und ich hätte Bullenwinkel in voller Pracht bestaunen können. Pustekuchen. Das Dorf war nahezu von allen Seiten von dichten Wäldern und Gebüsch umschlungen. Trotzdem wollte ich mir das nicht entgehen lassen und und ging voran. Als ich die Sumpflandschaft samt Gebüsch passiert habe, konnte ich meinen Augen nicht glauben. Wo ist jetzt das, was auf den alten Katen vorhanden war? Die Häuser können sich doch nicht über ein paar Jahrzehnte in Luft aufgelöst haben!? Bei näherer Betrachtung fielen mir von weiten nur ein paar umwucherte Ziegelsteine, die auf dem Boden lagen. Gleich dahinter Fundamente.  Nebenan noch ein paar Porzellanscherben, kapputes Glas und das war´s! Ich war verblüfft. Ist tatsächlich nur das übrig geblieben von dem, was nicht alzu lange her ein Dorf war?!

Zu Hause angekommen sofort die Recherche. Was ist aus Bullenwinkel geworden?

Ein paar nützliche Informationen konnte ich sammeln.

Während der Kriegszeit 1945 wurde Bullenwinkel von den Russen belagert. Die Schule wurde angeblich abgebrannt. Alle Bewohner, die nicht geflüchtet sind konnten jedoch zu ihren Häusern zurückgehen. Mir bleibt jedoch ein Rätsel, wohin die deutschen Bewohner nach der Nachkriegszeit ausgewandert sind und wieso das Dorf so schnell dem Verfall ausgesetzt war. In den 60- und 70-iger Jahren galt Bullenwinkel als Station für die polnische Wehr. Sämtliche Übungen wurden in Bullenwinkel und außerhalb durchgeführt. Schon zur dieser Zeit ist die Rede, dass nur ein übrig gebliebenes Gebäude als Schweinestall für die Wehr diente. Was ist aber mit dem Rest passiert? Fragen über Fragen.

Vor ein paar Jahren wurde das Grundstück in und rund um Bullenwinkel von einem Privatinvestor gekauft. Eine neue Siedlung sollte direkt in dem nicht mehr existierenden Dorf gebaut werden. Vor 4 Jahren ist es zwischen den Privatbesitzer und Befürworter von Erhaltung des Naturschutzgebietes zu Auseinandersetzungen gekommen. Obwohl schon Projekte für die Siedlung entstanden sind und sogar kleinere Bauarbeiten (Abflussgräber und Verlegung von Wasserleitungen) durchgeführt worden sind, finden keine Bauarbeiten direkt im alten Dorf mehr statt. Um Bullenwinkel ist wieder ruhig geworden. Ich find´s auch gut so.

Ich habe mit meinen Bekannten und Arbeitskollegen aus Kolberg gesprochen und nachgefragt, ob mir einer weitere Informationen zu Bullenwinkel geben kann. Nahezu keiner wusste, dass in unmittelbarer Nähe zu Kolberg das Dorf Bullenwinkel (Mirocice) existierte. Vielleich auch gut so, da es heutzutage der wilden Natur ausgesetzt ist und eher wenige Personen sich hier verirren...

Das Buch muss dennoch angeschaft werden - die Neugier lässt mich nicht ruhig schlaffen. 😉

 

Gruß aus Kolberg, Maciej

Zitat

Autor des Beitrags: Jeannette
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Lieber Maciej,

mein Name ist Jeannette und meine Großmutter mütterlicherseits stammt aus Bullenwinkel.

Seit langer Zeit bin ich mal wieder auf dieser Internetseite unterwegs um ein bisschen was in Erfahrung zu bringen und muss staunen! Noch jemand interessiert sich für Bullenwinkel. Das freut mich. Zumal ich für Anfang nächsten Jahres eine Reise nach Kolberg geplant habe.

Das Buch von dem du sprichst kenne ich. Es ist allerdings mittlerweile vergriffen. 2013 konnte ich den Herausgeber in Hamburg ausfindig machen und zumindest eine Kopie der Seiten die meine Familie betreffen ergattern. Der Herausgeber ( der sich meines Wissens auch an diesem Online Portal beteiligt ) hätte mir Exemplare mit einer Mindestbestellmenge zur Verfügung gestellt. Ich habe im Verwandtenkreis nicht soviel Interesse wecken können, sodass das Vorhaben dadurch und durch andere (private) Dinge in Vergessenheit geriet.

Umso mehr freut es mich, aktuelle Bilder zu sehen. Das Bahnwärterhäuschen von dem du sprichst  ist laut alter Karte nicht weit weg vom Hof meiner Familie (Wulff). Das dort nichts mehr ist, habe ich schon in Erfahrung bringen können. Bullenwinkel ist tatsächlich den Russen zum Opfer gefallen. Wenn ich mich recht erinnere, sind alle Einwohner Bullenwinkels nach Ost- und Westdeutschland geflohen. Meine Familie bsp. ist über ganz Deutschland verteilt. Man erzählt sich sogar, dass ein Bruder meiner Großmutter in die USA ausgewandert sei. Aber es wurde ja nach dem Krieg ein Tuch des Schweigens über diese Erlebnisse gelegt. Darüber erzählen durfte man nicht. Und so weiß ich von der Geschichte meiner Familie auch viel zu wenig. Und das lässt mich nicht mehr schlafen. Sind die Familien tatsächlich noch einmal zurück gekehrt? Kolberg war ja abgeschnitten und von Russen umzingelt. Was mussten die Einwohner Bullenwinkels alles ertragen als die Russen kamen? Fragen über Fragen...

Leider werden die Zeitzeugen immer weniger. Aber so richtig reden will nach so langer Zeit auch niemand mehr.

Um noch einmal auf das Buch zu sprechen zu kommen: Ich hatte 2013 in Erfahrung gebracht, dass sich in Greifswald und Berlin in den jeweiligen Landesbibliotheken jeweils ein Exemplar zur Einsicht befindet. Dorthin zu fahren ist ebenfalls ein Vorhaben von mir.

Sollte ich es demnächst schaffen mir das Buch anzuschauen, soll ich was spezielles für dich recherchieren?

Mein Großvater stammt aus Necknin (Niekanin). Gibt es dieses Dorf noch?

Liebe Grüße

Jeannette

Zitat

Autor des Beitrags: Maciej
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Hallo Jeannette.

Dass das Buch vergriffen ist hätte ich mir denkem müssen. Im Internet wird auch nichts mehr angeboten. Exemplare mit einer Mindestbestellmenge anzuschaffen - das werde ich mir nicht unbedingt antun, zumal ich gehört habe, dass das Kolberger Museum ein Exemplar besitzen soll.

In Berllin kenne ich mich aus. In der Zentral- und Landesbibliothek Berlin war ich schon früher, da ich in der Nähe gewohnt habe. Ein Besuch in Berlin steht auch demnächst an, also musst Du nichts für mich recherchieren...

In einem polnichen Erforschungsforum konnte ich noch alte Fotos von Bullenwinkel finden: http://www.forum.eksploracja.pl/viewtopic.php?f=67&t=18984&start=40. Die Landschaft erkennt man nicht wieder. Momentan ist alles von Wald und Gebüsch zugedeckt.

Heute Mittag bin ich nochmals nach Mirocice gefahren. Wollte die aktuelle Lage nach dem hier beigefügten Ortsplan (https://kolberg-koerlin.de/wp-content/uploads/2015/09/BullenwinkelMap.png) erkunden. Die Ruinen waren sehr schwer zugänglich und nicht alles war identisch mit dem Ortsplan vor dem 2. Weltkrieg. Ich muss Dir jedoch gestehen, dass die Ruinen des Hauses deiner Großeltern den "besten Eindruck" machten (siehe unten). Bin mir auch zu 99% sicher, dass auf diesen Fundamenten früher das Haus der Familie Wulff stand. Direkt an den Ruinen konnten noch ein paar persönliche Gegenstände wie Klamottenstücke oder auch eine Fußsohle mit der Aufschrifft "Gesetzlich geschützt" der Schuhgröße 41 ausfindig machen. Ich gehe davon aus, dass das Hab und Gut liegengelassen wurde und die Menschen einfach nur flüchteten. Ein wenig beängstigend. Ich kann mich auch grob dran erinnern irgendwo gelesen zu haben, dass einige nach Amerika geflüchtet sind.

Ich habe mich vor ein paar Wochen mit meiner Oma unterhalten, wie Sie die Nachkriegszeit als Deutsche erlebt hat. Sie war damals ca. 100km weiter süd-östlich von Kolberg wohnhaft. Nachdem der 2. Weltkrieg zu Ende war, musste sie auch Schlimmes durchgehen. Sie sagte bloß, dass die Russen damals mit den Nazis gleich zu setzen waren, wenn nicht noch schlimmer, als sie Richtung Westen marchierten. Ob die Menschen in Bullenwinkel das gleiche Schicksal erlitten - davon gehe ich aus...

Nun ja, die Geschichte rund um Bullenwinkel interessiert mich sehr. Vor Allem, wie es dazu kam, dass heutzutage fast nichts an Bullenwinkel erinnert.

Ah und ja, Niekanin gibt es immer noch. 🙂

Sag Bescheid, wenn Du mal Kolberg einen Besuch abstattest. Vielleicht trifft man sich dann...

Schönen Gruß aus Kolberg, Maciej

Zitat

Autor des Beitrags: Almut
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Hallo Jeanette,

ich interessiere mich ebenfalls für das Dorf Bullenwinkel.

Sehr gerne hätte ich das Buch erstanden, leider ist es ja vergriffen.

Mein Urgroßvater, Heinrich Anton Müller, geb. 1873 kommt aus Bullenwinkel.

Herzliche Grüße

Almut

Zitat